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WissenswertesBeitrag

Golf-Fitness: Mit diesen Übungen gewinnen Sie Schlagweite und schützen Ihren Rücken

Mit gezielten Übungen für Rotation, Rumpf und Hüfte gewinnen Sie Schlagweite – und schützen dabei Ihren Rücken.

Golfer in der Abschlagposition auf der Driving Range im Abendlicht

Golf gilt als gemütlicher Sport. Wer schon einmal achtzehn Löcher gespielt hat, weiß es besser – und wer die Belastung des Schwungs kennt, erst recht.

Der Golfschwung erzeugt erhebliche Dreh- und Scherkräfte auf die Wirbelsäule, immer in dieselbe Richtung, über hundertmal pro Runde, dazu auf der Range. Kaum eine andere Sportart ist so einseitig. Entsprechend häufig sind Beschwerden: Untersuchungen gehen davon aus, dass sich etwa vier von zehn Amateuren und sogar sechs von zehn Profis mindestens einmal pro Saison verletzen oder überlasten. An erster Stelle steht dabei fast immer der untere Rücken.

Gleichzeitig ist Golf die Sportart, in der körperliches Training am direktesten in Ergebnisse übersetzt wird. Als lizenzierter Golf-Physio-Trainer und Diplom-Sportwissenschaftler zeige ich Ihnen, welche körperlichen Voraussetzungen über Schlagweite und Konstanz entscheiden – und wie Sie sie aufbauen.

Warum Technik allein irgendwann nicht mehr weiterhilft

Viele Golfer nehmen Stunde um Stunde, feilen an Griff, Setup und Schwungebene – und kommen trotzdem nicht über ein bestimmtes Niveau hinaus. Die Ursache liegt dann selten am Verständnis, sondern am Körper.

Ein sauberer Schwung setzt voraus, dass sich die Brustwirbelsäule gegen ein stabiles Becken drehen kann, dass die Hüfte innen- und außenrotieren kann und dass der Rumpf die Kraft aus dem Unterkörper überträgt, ohne nachzugeben. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, kann die Technik gar nicht ausgeführt werden – der Körper sucht sich Ausweichbewegungen. Genau daraus entstehen die typischen Fehlerbilder: das Aufrichten in der Abwärtsbewegung, der Verlust der Winkel, das Ausweichen über den unteren Rücken.

Ein Trainer kann Ihnen dann hundertmal sagen, was Sie tun sollen. Wenn Ihr Körper die Bewegung nicht hergibt, ändert sich nichts.

Die drei Säulen der Golf-Fitness

Mobilität. Eine drehfähige Brustwirbelsäule und eine bewegliche Hüfte sind die Grundlage für einen weiten, sauberen Schwung. Sind sie eingeschränkt, holt sich der Körper die fehlende Rotation aus der Lendenwirbelsäule – die dafür anatomisch nicht gebaut ist. Das ist die häufigste Ursache für Rückenschmerzen im Golf.

Rumpfstabilität und Rotationskontrolle. Der Rumpf überträgt die Kraft aus dem Unterkörper in den Schläger. Ist er instabil, versickert Energie auf dem Weg nach oben – und die Streuung Ihrer Schläge nimmt zu. Trainiert wird hier weniger das Drehen als das kontrollierte Widerstehen gegen Rotation.

Kraft in der hinteren Kette. Gesäß, hintere Oberschenkel und Rücken liefern die eigentliche Leistung. Eine kraftvolle Hüftstreckung ist der Motor für Schlägerkopfgeschwindigkeit – und damit für Weite.

Selbsttest: Wo liegt Ihre Einschränkung?

Bevor Sie mit Übungen beginnen, lohnt es sich zu wissen, woran es bei Ihnen tatsächlich hakt. Drei einfache Tests, die Sie in fünf Minuten zu Hause durchführen können. Wählen Sie jeweils aus, was auf Sie zutrifft – die Auswertung erscheint direkt darunter.

Test 1 – Rotation der Brustwirbelsäule

Selbsttest Rotation der Brustwirbelsäule: sitzend mit Ball zwischen den Knien den Oberkörper drehen

Setzen Sie sich auf einen Stuhl, klemmen Sie einen Ball oder ein zusammengerolltes Handtuch zwischen die Knie, verschränken Sie die Arme vor der Brust. Drehen Sie den Oberkörper so weit wie möglich nach rechts, dann nach links – ohne dass die Knie ausweichen.

Auswertung: Weniger als etwa 45 Grad pro Seite oder ein deutlicher Seitenunterschied deuten auf eine eingeschränkte Brustwirbelsäulen-Rotation hin. Das ist mit Abstand der häufigste Befund bei Golfern.

Test 2 – Hüftbeweglichkeit

Selbsttest Hüftbeweglichkeit: rückenlings ein Knie zur Brust ziehen, das andere Bein gestreckt am Boden

Legen Sie sich auf den Rücken, ziehen Sie ein Knie zur Brust und lassen Sie das andere Bein gestreckt am Boden liegen.

Auswertung: Hebt sich das gestreckte Bein vom Boden ab oder weicht es zur Seite, ist Ihre Hüftbeugemuskulatur verkürzt – typische Folge von viel Sitzen und ein direkter Bremsklotz für die Hüftrotation im Schwung.

Test 3 – Rumpfstabilität

Selbsttest Rumpfstabilität: Unterarmstütz ohne Absinken oder Verdrehen des Beckens

Nehmen Sie den Unterarmstütz ein und halten Sie ihn, ohne dass das Becken absinkt oder sich verdreht.

Auswertung: Wer die saubere Position keine 45 Sekunden hält, verliert im Schwung Energie – und belastet den unteren Rücken stärker als nötig.

Ihre Auswertung

Wählen Sie in allen drei Tests aus, was auf Sie zutrifft. Ihre Auswertung erscheint hier automatisch.

Sechs Übungen für Golfer

Zwei bis drei Einheiten pro Woche genügen. Volle Bewegungsamplitude und saubere Ausführung sind wichtiger als Gewicht oder Tempo.

1. Weltbeste Dehnung (World's Greatest Stretch)

Weltbeste Dehnung: tiefer Ausfallschritt mit Rotation des Oberkörpers und Arm zur Decke

Aus dem tiefen Ausfallschritt den Ellbogen zum Boden führen, dann den Oberkörper zur Seite aufdrehen und den Arm zur Decke öffnen. Öffnet Hüfte und Brustwirbelsäule in einer Bewegung. 5 Wiederholungen pro Seite. Die beste Einzelübung für Golfer überhaupt – und ideal als Warm-up.

2. Brustwirbelsäulen-Rotation im Vierfüßlerstand

Brustwirbelsäulen-Rotation im Vierfüßlerstand: Hand am Hinterkopf, Ellbogen dreht zur Decke

Eine Hand an den Hinterkopf, Ellbogen zur Decke aufdrehen, Blick folgt dem Ellbogen. Das Becken bleibt dabei stabil. 8 bis 10 Wiederholungen pro Seite. Adressiert direkt das häufigste Defizit aus Test 1.

3. Pallof Press (Anti-Rotation)

Pallof Press: seitlich zum Band stehend, Arme kontrolliert nach vorne gedrückt

Mit einem Theraband oder am Kabelzug seitlich stehen, die Hände vor der Brust, dann kontrolliert nach vorne strecken – ohne sich vom Zug verdrehen zu lassen. 3 Sätze à 10 Wiederholungen pro Seite. Trainiert exakt die Stabilität, die der Schwung verlangt.

4. Hip Thrust oder Glute Bridge

Glute Bridge: flach am Boden liegend das Becken kraftvoll strecken

Mit dem oberen Rücken an einer Bank aufgestützt oder flach am Boden das Becken kraftvoll strecken. 3 Sätze à 10 bis 12 Wiederholungen. Baut die Hüftstreckung auf, die für Schlägerkopfgeschwindigkeit sorgt.

5. Split Squat

Split Squat: Standwaage-artiger Ausfallschritt, kontrolliert abgesenkt

Im Standwaage-artigen Ausfallschritt kontrolliert absenken und wieder hochdrücken. 3 Sätze à 8 pro Seite. Kräftigt die Beine einseitig und deckt Seitenunterschiede auf – bei Golfern fast immer vorhanden.

6. Farmer's Walk

Farmer's Walk: aufrechtes Gehen mit einem Kurzhantel in jeder Hand

Mit schweren Gewichten in beiden Händen aufrecht gehen. 3 Durchgänge à 30 Meter. Kräftigt Griff, Schultergürtel und Rumpf gleichzeitig – und weil beide Seiten identisch belastet werden, wirkt die Übung den golftypischen Seitenunterschieden entgegen. Der Griff ist bei vielen Amateuren ohnehin der limitierende Faktor am Ende einer Runde.

Golf ist einseitig – Ihr Training darf es nicht sein

Sie schwingen immer in dieselbe Richtung. Über Jahre summiert sich das zu messbaren Unterschieden: Die Rotationsfähigkeit ist zur Schwungseite hin größer als zur Gegenseite, die Rumpfmuskulatur entwickelt sich asymmetrisch, die führende Schulter arbeitet anders als die hintere. Der Körper wird schlicht zu dem, was er ständig tut.

Das ist zunächst normal und bis zu einem gewissen Grad sogar sinnvoll – eine gewisse Anpassung an die Sportart gehört dazu. Problematisch wird es, wenn der Unterschied zu groß wird: Dann übernehmen einzelne Strukturen dauerhaft mehr Last, als sie verkraften. Genau daraus entstehen die typischen Golferbeschwerden am unteren Rücken, an der führenden Schulter und am Ellbogen.

Vier Prinzipien halten die Balance:

1. Rotation in beide Richtungen trainieren. Bei allen Rotations- und Anti-Rotations-Übungen arbeiten Sie beidseitig – und legen den Schwerpunkt bewusst auf die schwächere Seite. Konkret: zwei Sätze zur Schwungseite, drei zur Gegenseite. Bei der Brustwirbelsäulen-Rotation aus Übung 2 machen Sie also einige Wiederholungen mehr in die ungewohnte Richtung.

2. Einseitig trainieren und mit der schwächeren Seite beginnen. Übungen wie Split Squat oder einarmiges Rudern decken Unterschiede nicht nur auf, sie gleichen sie auch aus – vorausgesetzt, Sie starten mit der schwächeren Seite und machen mit der stärkeren nur so viele Wiederholungen, wie die schwächere geschafft hat. Sonst vergrößern Sie den Abstand, statt ihn zu schließen.

3. Spiegelverkehrte Übungsschwünge. Der einfachste Ausgleich kostet nichts und passt auf jede Range: Schwingen Sie am Ende Ihrer Übungseinheit zehn- bis fünfzehnmal seitenverkehrt, ohne Ball und mit halber Kraft. Das fühlt sich zunächst grotesk an und ist genau deshalb wirksam – Sie bewegen die Strukturen einmal in die Richtung, die sie sonst nie erleben.

4. Die Gegenspieler des Schwungs kräftigen. Der Golfschwung zieht die Schultern nach vorne und innen. Ausgleich schaffen Übungen für den oberen Rücken und die Außenrotatoren der Schulter: Rudern, Face Pulls, Außenrotationen mit dem Theraband. Zwei Sätze pro Woche genügen und schützen die führende Schulter spürbar.

Ein Hinweis aus der Praxis: Sie müssen die Asymmetrie nicht vollständig auflösen – das wäre weder realistisch noch nötig. Es geht darum, den Abstand nicht weiter wachsen zu lassen. Wer über Jahre nur schwingt und nie ausgleicht, hat mit fünfzig ein Problem, das mit dreißig noch keines war.

Das Warm-up vor der Runde

Die meisten Golfer wärmen sich mit ein paar Übungsschwüngen auf. Das ist besser als nichts, aber es bereitet weder Hüfte noch Brustwirbelsäule auf die Belastung vor – und die ersten Löcher werden entsprechend gespielt.

Fünf Minuten genügen für einen deutlichen Unterschied:

  • Zwei Minuten zügiges Gehen zur allgemeinen Erwärmung
  • Weltbeste Dehnung, 3 Wiederholungen pro Seite
  • Rumpfrotationen im Stand mit dem Schläger auf den Schultern, 10 pro Seite
  • Beinschwünge vor und zurück sowie seitlich, je 10 pro Bein
  • Erst dann Übungsschwünge, beginnend mit halber Kraft

Der wichtigste Nebeneffekt: Ihr Rücken

Über Schlagweite spricht jeder, über Verletzungsprävention kaum jemand – dabei ist sie der größere Hebel. Wer die einseitige Belastung des Golfschwungs durch ausgewogenes Krafttraining ausgleicht, senkt sein Risiko für Überlastungsschäden erheblich; Untersuchungen zu Präventionsprogrammen im Sport zeigen Reduktionen in einer Größenordnung von bis zu fünfzig Prozent.

Konkret heißt das: Sie spielen nicht nur weiter und konstanter, sondern vor allem länger. Ich betreue Golfer, deren eigentliches Ziel nicht das Handicap ist, sondern mit siebzig noch schmerzfrei achtzehn Löcher zu gehen. Das ist mit gezieltem Training sehr realistisch – ohne es eher nicht.

Wer bereits jetzt regelmäßig unter Rückenschmerzen leidet, findet hier gezielte Übungen für einen starken unteren Rücken.

Häufige Fragen

Verbessert Krafttraining wirklich meine Schlagweite?

Ja. Mehr Rumpfstabilität und eine kräftigere Hüftstreckung übertragen mehr Energie in den Schläger. Im Profibereich trainiert praktisch niemand mehr ohne Athletikprogramm – genau aus diesem Grund.

Werde ich durch Krafttraining nicht unbeweglich und verliere Schwunggefühl?

Ein hartnäckiger Mythos. Training über den vollen Bewegungsumfang verbessert die Beweglichkeit sogar. Steifheit entsteht durch Bewegungsmangel, nicht durch Krafttraining.

Ich habe beim Golf regelmäßig Rückenschmerzen – was hilft?

Meist fehlt Beweglichkeit in Hüfte oder Brustwirbelsäule, sodass der untere Rücken die Rotation übernimmt. Machen Sie die Tests weiter oben – sie zeigen Ihnen in wenigen Minuten, ob das bei Ihnen der Fall ist. Ein gezieltes Mobilitäts- und Stabilitätsprogramm entlastet dann spürbar.

Muss ich als Golfer wirklich auch die Gegenseite trainieren?

Ja – und es ist einer der am häufigsten übersehenen Punkte. Der Schwung belastet über Jahre immer dieselbe Richtung, wodurch Rotationsfähigkeit und Kraft asymmetrisch werden. Trainieren Sie Rotation deshalb bewusst beidseitig mit Schwerpunkt auf der schwächeren Seite, beginnen Sie einseitige Übungen immer mit dem schwächeren Arm oder Bein, und schwingen Sie am Ende der Range-Einheit ein paar Mal seitenverkehrt.

Wie oft sollte ich trainieren, ohne dass es meine Golfzeit frisst?

Zwei Einheiten à 45 Minuten pro Woche reichen für deutliche Effekte. Das Warm-up vor der Runde kostet zusätzlich fünf Minuten – und ist die Investition mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Lohnt sich das auch mit 60 oder 70 noch?

Besonders dann. Mit zunehmendem Alter nehmen Beweglichkeit und Muskelmasse ohne Gegenmaßnahmen ab – genau die beiden Faktoren, die Ihren Schwung tragen. Der relative Gewinn ist in dieser Altersgruppe am größten.

Ihr nächster Schritt

Die Übungen oben sind eine solide Grundlage. Was sie nicht leisten können: beurteilen, welche Einschränkung bei Ihnen im Schwung tatsächlich limitiert und wie sich Ihr Training auf Ihre individuelle Bewegung übertragen lässt. Als lizenzierter Golf-Physio-Trainer und Diplom-Sportwissenschaftler analysiere ich mit Ihnen in München genau das – Beweglichkeit, Stabilität und Kraft im Hinblick auf Ihren Schwung – und baue darauf ein Programm auf, das zu Ihrer Saisonplanung passt. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

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