WissenswertesBeitrag
Wiedereinstieg nach einer Pause: Wie schnell Muskeln abbauen und wann Sport nach einer Erkältung wieder geht
Was in zwei, vier oder acht Wochen Pause wirklich verloren geht, wann Sie nach Erkältung, Grippe oder Corona wieder trainieren können und wie Sie klug zurückkommen.
Eine Erkältung, zwei Wochen Urlaub, ein Projekt, das alles auffrisst: Irgendwann kommt bei fast jedem eine Trainingspause. Und mit ihr die Sorge, dass die Arbeit der letzten Monate verloren ist. Spätestens wenn die Muskeln nach einer Woche im Spiegel flacher aussehen, scheint der Beweis erbracht.
Die gute Nachricht vorweg: Es geht viel weniger verloren, als die meisten befürchten, und es kommt schneller zurück. Dieser Beitrag zeigt, was in zwei, vier oder acht Wochen Pause wirklich passiert, wann Sie nach einer Erkältung, einer Grippe oder Corona wieder trainieren können und wie Sie klug zurückkommen.
Wichtig vorab: Wenn Sie eine Herzerkrankung haben, nach einer Herzmuskelentzündung oder bei Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot oder Herzstolpern sprechen Sie den Wiedereinstieg bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Wie schnell baut man Muskeln ab?
Langsamer, als es sich anfühlt. Dass die Muskeln nach einer Woche flacher wirken, hat mit Muskelabbau wenig zu tun. Ohne Training sinkt der Speicherzucker im Muskel, das Glykogen, und mit ihm das Wasser, das er bindet. Der Muskel ist dann weniger prall gefüllt, aber nicht kleiner geworden. Mit den ersten Einheiten füllen sich die Speicher wieder.
Die Kraft hält sich erstaunlich lange. In einer Studie mit trainierten Männern war die Beinkraft nach zwei Wochen ohne Training unverändert, auch die Muskelmasse blieb weitgehend erhalten. Eine große Übersicht zum Thema Trainingspause kommt zu dem Schluss, dass die Kraft in den ersten vier Wochen nur wenig nachlässt und auch danach langsam sinkt. Eine Auswertung zahlreicher Studien zeigt allerdings auch: Je länger die Pause, desto größer der Verlust, und bei Menschen über 65 sowie bei Untrainierten fällt er deutlicher aus.
Schneller geht die Ausdauer. In einer klassischen Studie mit Ausdauersportlern sank die maximale Sauerstoffaufnahme in den ersten drei Wochen ohne Training um rund 7 Prozent und pendelte sich nach acht Wochen bei etwa 16 Prozent unter dem Ausgangswert ein. Der Grund: Zuerst nimmt das Blutvolumen ab, das Herz pumpt pro Schlag weniger. Selbst nach zwölf Wochen Pause lagen die Sportler aber noch über dem Niveau von Menschen, die nie trainiert hatten.
Grob gesagt:
- Bis zwei Wochen: Kraft und Muskeln praktisch unverändert, die Ausdauer etwas schwächer, die Muskeln wirken flacher.
- Drei bis vier Wochen: Ausdauer spürbar weniger, Kraft leicht.
- Zwei bis drei Monate: Ausdauer deutlich, auch die Muskelfasern werden kleiner. Die Kraft sinkt weiter langsam und bleibt lange über dem Ausgangsniveau vor dem Training.
Das Muskelgedächtnis: Warum der Rückweg kürzer ist
Wer schon einmal trainiert hat, kommt schneller zurück, als er beim ersten Mal hingekommen ist. In einer japanischen Studie trainierte eine Gruppe ein halbes Jahr lang durchgehend Bankdrücken, die andere legte nach jeweils sechs Wochen drei Wochen Pause ein. Am Ende hatten beide Gruppen gleich viel Muskeln und Kraft aufgebaut. Die Pausen hatten also nichts gekostet, die Muskeln holten den Rückstand in den Trainingsphasen wieder auf.
Ein Grund dafür liegt in den Muskelzellen selbst. Beim Krafttraining bekommen sie zusätzliche Zellkerne, die das Wachstum steuern. Eine schwedische Studie von 2024 zeigt, dass diese Zellkerne auch nach 16 Wochen Pause erhalten bleiben, obwohl die Muskelfasern wieder schrumpfen. Ob der Wiederaufbau dadurch messbar schneller geht, ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt. Dass verlorene Muskeln „doppelt so schnell“ zurückkommen, wie oft zu lesen ist, ist nicht belegt. Sicher ist: Ein großer Teil geht gar nicht erst verloren, und der Rest kommt in wenigen Wochen wieder.
Sport nach Erkältung: die Halsregel
Für gesunde Menschen hat sich eine einfache Faustregel bewährt, die zum Beispiel die Mayo Clinic in den USA empfiehlt:
- Beschwerden nur oberhalb des Halses, also Schnupfen, verstopfte Nase, Niesen oder ein leichtes Kratzen im Hals: Leichte Bewegung ist meist in Ordnung. Ein Spaziergang statt des Laufs, eine lockere Einheit statt der harten.
- Beschwerden unterhalb des Halses, also Husten aus der Brust, Magen-Darm-Beschwerden: kein Sport.
- Fieber, Abgeschlagenheit oder Gliederschmerzen: kein Sport.
Dass leichte Bewegung bei einem einfachen Schnupfen nicht schadet, zeigt eine kontrollierte Studie aus den USA: Teilnehmer, die während einer Erkältung durch Rhinoviren moderat trainierten, waren weder länger noch stärker krank als die, die pausierten.
Deutsche Sportmediziner sind vorsichtiger. Die Deutsche Herzstiftung rät mit dem Sportmediziner Jürgen Scharhag, schon bei leichten Infektzeichen wie Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten das Training zu pausieren. Vor dem Neustart sollten mindestens zwei bis drei Tage ohne Beschwerden liegen, dann beginnt man mit niedriger Belastung und steigert über ein bis zwei Wochen. Bei einem gewöhnlichen grippalen Infekt kommt man so meist auf eine Pause von ein bis zwei Wochen.
Mein Rat: Bei einem einfachen Schnupfen ohne weitere Beschwerden ist ein Spaziergang oder lockeres Radfahren in Ordnung, hartes Training nicht. Im Zweifel pausieren Sie. Und wenn Sie eine Herzerkrankung haben, gilt die strengere Empfehlung der Herzstiftung.
Warum Fieber tabu ist
Bei Fieber, Gliederschmerzen oder einem Infekt, der den ganzen Körper erfasst, ist Sport keine Frage von Ehrgeiz, sondern von Sicherheit. Viren können den Herzmuskel angreifen. Diese Herzmuskelentzündung, die Myokarditis, ist selten, aber gefährlich, und harte Belastung während des Infekts erhöht das Risiko. Eine schwedische Übersicht hält fest, dass anstrengender Sport bei Infekt und Fieber immer vermieden werden sollte und eine Myokarditis auch ohne Fieber auftreten kann.
Laut Herzstiftung sind die Anzeichen leider unspezifisch: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, ein Engegefühl oder Schmerzen hinter dem Brustbein, bei etwa jedem Fünften auch Herzstolpern. Wenn Sie so etwas während oder nach einem Infekt bemerken, gehört das ärztlich abgeklärt, bevor Sie wieder trainieren.
Wie lange dauert es nach Grippe oder Corona?
Länger als nach einer Erkältung. Die Herzstiftung empfiehlt nach einer echten Grippe mindestens zwei Wochen Sportpause. Eine Untersuchung aus Südafrika mit Sportlern, deren Erreger im Labor bestimmt wurde, zeigt die Unterschiede: Im Mittel trainierten sie nach dreieinhalb Tagen wieder, voll belastbar im Training waren sie nach acht Tagen und wieder in Bestform nach elf. Nach Grippe und Corona dauerte das deutlich länger als nach einer Erkältung durch Rhinoviren, und Freizeitsportler brauchten länger als Profis.
Für die Zeit nach Corona raten Sportmediziner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, früh wieder mit Bewegung anzufangen, die Belastung aber an den Verlauf anzupassen. Wer nach der Erkrankung anhaltende Beschwerden hat, etwa Atemnot, Herzrasen oder ungewöhnliche Erschöpfung nach Belastung, sollte sich vor dem Training ärztlich untersuchen lassen.
Ihr Körper zeigt Ihnen, wann es wieder geht
Ein guter Alltagstest stammt ebenfalls von der Herzstiftung: Wenn die Beschwerden weg sind und Sie im Alltag wieder voll leistungsfähig sind, zum Beispiel beim Treppensteigen, können Sie sanft wieder anfangen.
Wer eine Pulsuhr trägt, hat ein zusätzliches Signal. Bei mir selbst war das Anfang Oktober gut zu sehen: Während einer kräftigen Erkältung sprang mein Ruhepuls von rund 60 auf 71 Schläge pro Minute und war nach zwei Tagen wieder unten. Die Herzfrequenzvariabilität brauchte gut eine Woche, bis sie wieder in meinem normalen Bereich lag. Das deckt sich mit der Empfehlung, nach einem Infekt nicht am ersten beschwerdefreien Tag wieder Vollgas zu geben. Wie Sie solche Werte lesen, erklärt der Beitrag zu HRV, Ruhepuls und Schlafscore.
Rückkehr-Check: Wie steigen Sie wieder ein?
Drei Fragen, eine Minute. Der Check gibt Ihnen eine Richtung für den Wiedereinstieg. Die Prozentangaben sind Erfahrungswerte aus der Praxis, keine Studienwerte, und ersetzen keine ärztliche Einschätzung. Nach einer Verletzung oder Operation gilt der Plan Ihrer Ärztin, Ihres Arztes oder Ihrer Physiotherapie.
1. Warum haben Sie pausiert?
2. Wie lange war die Pause?
3. Wie geht es Ihnen heute?
Ihre Auswertung
Beantworten Sie alle drei Fragen. Ihre Auswertung erscheint hier automatisch.
Der Fahrplan zurück in drei Phasen
Ob nach Infekt oder langer Pause: Der Wiedereinstieg folgt immer demselben Muster. Nach einer kurzen Urlaubspause durchlaufen Sie die Phasen in wenigen Tagen, nach einer Grippe oder einer Pause von mehreren Wochen in ein bis zwei Wochen.
Phase 1: wieder in Bewegung kommen
- Erst wenn Sie beschwerdefrei sind, nach einem Infekt zwei bis drei Tage lang
- Spaziergänge, lockeres Radfahren, Mobilisation
- Niedriger Puls: Sie sollten sich dabei mühelos unterhalten können, so wie im Beitrag zu Zone 2 beschrieben
Phase 2: die Testeinheit
- Ein Ganzkörpertraining mit etwa der Hälfte Ihres üblichen Umfangs und deutlich leichteren Gewichten
- Am nächsten Morgen prüfen: Wie fühlen Sie sich, wie ist der Ruhepuls, wie haben Sie geschlafen?
- Ist alles unauffällig, geht es weiter. Wenn nicht, bleiben Sie noch ein paar Tage in Phase 1.
Phase 3: schrittweise steigern
- Über ein bis zwei Wochen von etwa der Hälfte über drei Viertel zurück zur vollen Belastung
- Erst den Umfang, dann die Gewichte erhöhen, so wie im Beitrag zu Progressive Overload beschrieben
- Bei Rückschlägen eine Stufe zurück, nicht aufgeben
Rechnen Sie nach einer längeren Pause mit Muskelkater. Der Schutz, den regelmäßiges Training davor bietet, lässt nach einigen Wochen Pause nach. Warum das so ist und was hilft, steht im Beitrag zum Muskelkater. Der häufigste Fehler beim Wiedereinstieg ist, dort weiterzumachen, wo man aufgehört hat. Sehr intensive Einheiten nach langer Pause können im Extremfall sogar zu einem gefährlichen Muskelzerfall führen. Die Warnzeichen dafür stehen ebenfalls im Muskelkater-Beitrag.
Die beste Pause ist eine kurze: Training erhalten statt aussetzen
Wenn Sie eine Pause kommen sehen, etwa einen Urlaub oder eine stressige Projektphase, müssen Sie nicht ganz aussetzen. Eine Übersicht von 2021 hat ausgewertet, wie wenig Training reicht, um die Form zu halten. Das Ergebnis ist ermutigend: Kraft und Muskeln blieben bei jüngeren Erwachsenen bis zu 32 Wochen erhalten, mit nur einer Krafteinheit pro Woche und einem Satz pro Übung. Ältere brauchten bis zu zwei Einheiten mit zwei bis drei Sätzen. Die Ausdauer hielt sich bis zu 15 Wochen mit zwei Einheiten pro Woche, auch wenn diese nur 13 bis 26 Minuten dauerten. Die Bedingung war jedes Mal dieselbe: Die Intensität muss bleiben. Weniger, aber fordernd, etwa 20 Minuten Kniebeugen, Liegestütze und Rudern mit einem Band im Hotelzimmer oder ein paar zügige Intervalle beim Joggen.
Wann sich Begleitung lohnt
Nach einer kurzen Pause kommen die meisten gut allein zurück. Begleitung lohnt sich, wenn die Pause länger war, wenn Sie nach einer Grippe oder Corona unsicher sind, wie viel Ihr Körper schon verträgt, oder wenn Sie älter sind. Ab 65 geht in einer Pause mehr verloren, umso wichtiger ist ein gut dosierter Wiedereinstieg, mehr dazu im Beitrag zum Training ab 50.
Im Personal Training plane ich Ihren Wiedereinstieg so, dass Sie schnell wieder auf Ihrem Niveau sind, ohne sich zu überfordern, und wir schauen gemeinsam auf die Signale Ihres Körpers, bevor wir steigern.
Häufige Fragen
Wie schnell baut man Muskeln ab?
Langsamer als gedacht. In den ersten zwei Wochen ohne Training bleiben Kraft und Muskelmasse praktisch erhalten, die Muskeln wirken nur flacher, weil Glykogen und Wasser fehlen. Auch danach sinkt die Kraft nur langsam. Schneller nimmt die Ausdauer ab, in Studien um rund 7 Prozent in drei Wochen.
Wann darf ich nach einer Erkältung wieder Sport machen?
Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt, mindestens zwei bis drei Tage ohne Beschwerden abzuwarten und dann mit niedriger Belastung zu beginnen. Über ein bis zwei Wochen steigern Sie wieder auf das gewohnte Niveau. Ein guter Test: Treppensteigen fällt wieder leicht.
Darf ich mit Schnupfen trainieren?
Bei Beschwerden nur oberhalb des Halses, also Schnupfen oder leichtem Halskratzen ohne Fieber, ist leichte Bewegung wie ein Spaziergang meist in Ordnung, hartes Training nicht. Bei Fieber, Gliederschmerzen oder Husten aus der Brust ist Sport tabu. Deutsche Sportmediziner raten im Zweifel auch bei leichten Symptomen zur Pause.
Wie lange sollte die Sportpause nach Grippe oder Corona sein?
Länger als nach einer Erkältung. Nach einer echten Grippe empfiehlt die Herzstiftung mindestens zwei Wochen. Nach Corona sollte die Belastung dem Verlauf angepasst werden, und bei anhaltender Atemnot, Herzrasen oder Erschöpfung gehört vor dem Training eine ärztliche Untersuchung.
Verliere ich nach zwei Wochen Pause meine Fortschritte?
Nein. Nach zwei Wochen sind Kraft und Muskeln praktisch unverändert. In einer Studie bauten Menschen, die alle sechs Wochen drei Wochen pausierten, nach einem halben Jahr genauso viel Muskulatur auf wie die, die durchgehend trainierten.
Wie steige ich nach langer Pause wieder ins Krafttraining ein?
Beginnen Sie mit etwa der Hälfte der gewohnten Gewichte und Umfänge und steigern Sie über zwei bis vier Wochen, erst den Umfang, dann die Gewichte. Rechnen Sie mit Muskelkater. Wer dort weitermacht, wo er aufgehört hat, riskiert Überlastung.
Quellen (15)
Ihr nächster Schritt
Nach einer Pause zählt der richtige Einstieg: genug, um schnell wieder auf Ihr Niveau zu kommen, und nicht so viel, dass gleich die nächste Pause folgt. Als Diplom-Sportwissenschaftler plane ich ihn mit Ihnen, im GYMMY in Bogenhausen, auch für Kundinnen und Kunden aus Haidhausen, oder in der CrossFit WUID in Unterföhring. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
Jetzt kostenloses Erstgespräch vereinbarenDieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Herzerkrankungen, nach einer Herzmuskelentzündung, bei anhaltenden Beschwerden nach einem Infekt oder bei Brustschmerz, Atemnot und Herzstolpern lassen Sie sich bitte ärztlich untersuchen, bevor Sie wieder trainieren.
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